Sunday, August 28, 2016

Summer Service Substitute/Sommervertretung im Gottesdienst



Musicians need a break, too. Church musicians especially, considering they never have a weekend – unless they find a substitute. That’s where people like me come in. Playing at church services is a nice way of sharing music, It’s a welcome way to feed the bank account during the summer, when most students are away, and it’s a wonderful way of sharing music.


Unitarian Church in Summit, NJ

Playing at the service is more than accompanying the hymns. You get to choose a Prelude and a Postlude, and one or two pieces to be played within the service. A few things have to be kept in mind, considering the length and character of each piece.


The piano at the Unitarian Church in Summit, NJ. The beautiful Steinway B is delightful to play

Finding music for the service creates a new awareness of “three-minute-pieces.” I’ve played selections from Schumann’s Scenes from Childhood or Forest Scenes; short pieces by the romantic composer Stephen Heller (1813-1888); and the last movement of the Bartok Suite proved very appropriate one time. This summer, I discovered Liszt’s Consolations – not just No 3, which everybody knows, but there are five more, beautiful pieces, and great for teaching.  

Anything that’s longer than five minutes is risky, especially if you’re looking at the postlude. People have just spent an hour in church, and they’re ready for lunch, or at least, coffee and refreshments during social hour. It’s nice to end in an “upbeat” spirit, opening the door to the outside world after a time of looking inward and quiet contemplation. The Prelude does the opposite. It invites people to calm down, leave every-day life behind, turn inward in a quiet place where it is safe to do so.

I like to select pieces from my every-day companion: Bach’s Well-Tempered Clavier. For one of the services, I chose the Prelude and Fugue in E-flat major from the first book. The Prelude flows calmly, almost like an improvisation, close to five minutes long, just perfect for the Prelude. The Fugue is very lively, but it has a flaw – it’s short, well under 2 minutes.

I pictured the church in my mind, wondering whether that would be enough time to pass the collection basket through the congregation. There’s usually a good turnout, even in the summer. I didn’t want to risk running out of music while funds were being replenished, so I had to find a way to lengthen the piece. I ended up playing it twice, cutting the coda – the final part – the first time through, and I wrote a counterpoint to accompany the subject at the beginning, so the “patchwork” wouldn’t be so evident.


Unitarian Church in Summit NJ, interior.

Nobody complained or even commented, and I don’t think the composer would have objected, either. Bach was quite conscious of money matters. There’s a letter, where he deplores the good health of the population in Leipzig one winter, which resulted in fewer funerals and, consequently, a reduction of his income.

Creativity is called for, and skills that have lain dormant for a while are suddenly in demand: playing from a lead sheet, improvising an introduction or an ending for a hymn, learning an accompaniment last minute, or writing one yourself.

At All Souls Church, a soloist from the choir is present at each summer service, to lead the hymns and responses, and sing two solos. The only accompaniment for Frescobaldi’s “Se l’aura spira” available on the internet turned out to be hopelessly out of style and impossible to play. I struggled for a week, found a way to fake it, but two days before the event I’d suddenly had enough and suggested to the singer I try to come up with something more appropriate. It took me all day, but I enjoyed it and in the end we were both happier with the result.


All Souls Unitarian Church, New York City


Church services aren’t all about the music, but without music, it would be a drag. Important as it is that someone plays the music, I always feel a little more “off to the side” than at a concert, and there’s something about it that I like. Without the “spotlight,” music comes back to its most important function: to speak to the heart and help the soul find itself.
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Sommervertretung im Gottesdienst

Auch Musiker brauchen Urlaub. Kirchenmusiker besonders, denn sie haben nie ein Wochenende frei, es sei denn, sie finden eine Vertretung.  Ab und zu werde ich gefragt, und springe gerne ein. Im Sommer, wenn die meisten Schüler in Ferien sind, bessert es das Bankkonto auf, und es ist eine gute  Gelegenheit, einige Solostücke aufzuführen.


Unitarian Church in Summit, NJ
Man braucht ein Vorspiel und ein Nachspiel, und in der Regel ein-oder zwei Stücke, die im Verlauf des Gottesdienstes gespielt werden. Bei der Auswahl sind einige Dinge zu beachten, was die Dauer und den Charakter der Music betrifft.


Der Flügel in der Unitarian Church in Summit, NJ. Es macht Spass, auf dem schönen Instrument zu spielen.

Das Drei-Minuten-Stück hat Hochkonjunktur. Gerne spiele ich Stücke aus den Kinder- und Waldszenen von Schumann, kürzere Charakterstücke des romantischen Komponisten Stephen Heller (1813-1888), und der letzten Satz der Bartok Suite op 14 erwies sich einmal als sehr passend. Die Entdeckung dieses Sommers waren Liszts Consolations . Ausser der bekannten Nr  3. enthält die Sammlung noch fünf weitere sehr stimmungsvolle Stücke, die sich auch gut für den Unterricht eignen.   

Alles, was länger als 5 Minuten dauert, kann im Gottesdienst problematisch werden, vor allem beim Nachspiel. Man muss sich vor Augen halten, dass die Leute gerade eine Stunde in der Kirche verbracht haben, das Mittagessen wartet, oder wenigstens Kaffee und Snacks im Gemeindesaal. Es ist eine gute Idee, mit einem aufmunternden Stück aufzuhören, das die Tür zur Aussenwelt wieder öffnet nach Stille und Kontemplation. Das Vorspiel hat die umgekehrte Funktion; Einstimmung zum Ruhigwerden und Nach-Innen-Schauen an einem Ort, wo man sich das erlauben kann.

Gerne spiele ich Stücke aus meinem „täglichen Begleiter,“ Bachs Wohltemperiertes Klavier. Ich wählte Präludium und Fuge Es-Dur aus dem ersten Band. Das Präludium ist ein meditatives, ruhig fliessendes Stück, das fast wie eine Improvisation wirkt, hervorragend für den Anfang geeignet. Die Fuge ist sehr lebhaft, aber sie hat ein Problem: sie ist zu kurz, deutlich weniger als 2 Minuten. Ich stellte mir die Kirche vor und fragte mich, ob das wohl reicht, um den Klingelbeutel herumgehen zu lassen. Die Gemeinde erscheint immer sehr zahlreich, auch im Sommer. Ich wollte kein Risiko eingehen, dass mir während der Kollekte die Musik ausgeht, also beschloss ich, das Stück zu verlängern. Ich suchte nach einer Stelle vor der Coda – dem Schlussabschnitt – wo ich wieder zum Anfang zurückspringen, und das gesamte Stück noch einmal spielen konnte, und schrieb einen Kontrapunkt zum ersten Themeneinsatz, damit es nicht so auffiel.


Unitarian Church in Summit NJ, Innenraum.

Niemand hat sich beschwert, und ich glaube, auch der Komponist wäre einverstanden gewesen. Bach waren finanzielle Aspekte des Musikerberufs  durchaus bewusst. In einem Brief beschwerte er sich einmal über den starken Rückgang von Beerdigungen in Leipzig, und die damit verbundenen Einkommenseinbussen.

Kreativität ist gefragt, und Fertigkeiten werden reaktiviert, die seit dem Schulmusikstudium ein wenig eingeschlafen sind. Vor- und Nachspiele zu Kirchenliedern improvisieren, freie Begleitung mit Akkordsymbolen von einem Lead-Sheet, eine  Begleitung in letzter Minute lernen, oder selber eine schreiben.


All Souls Unitarian Church, New York City

In der All Souls Kirche ist immer einer der Chorsolisten am Gottesdienst beteiligt, um die Kirchenlieder anzustimmen und zu führen, aber auch zwei eigene Solostücke beizutragen, die ich begleiten muss. Die einzige Begleitung zu Frescobaldis „Se l’aura spira“ im Internet war stilistisch völlig daneben, und nahezu unmöglich zu spielen. Ich kämpfte eine Woche lang, bis ich eine Möglichkeit gefunden hatte, mich durchzuschummeln. Freitags morgens hatte ich dann auf einmal genug. Ich fragte die Sängerin, ob sie damit einverstanden wäre, dass ich selber eine  passendere Begleitung schreibe. Ich brauchte den ganzen Tag, aber am Ende waren wir beide zufriedener mit der neuen Fassung.

Die Musik ist vielleicht nicht die Hauptsache im Gottesdienst, aber ganz ohne wäre doch alles ein sehr trocken.  Und so wichtig es ist, dass jemand da ist, der spielt, ich fühle mich doch ein wenig mehr im Hintergrund als im Konzert. Etwas gefällt mir daran. Ausserhalb des Rampenlichts ist es manchmal leichter für die Musik, ihre wichtigste Funktion auszuüben: das Gefühl anzusprechen und der Seele zu helfen, sich selbst u finden.